Zigaretten spielen in deinem Leben eine wichtige Rolle. Allerdings würdest du dich nicht als Raucher bezeichnen. Erst recht nicht im Beisein anderer. Schon wieder so eine Sache, die du mit dir alleine ausmachst. Psychologen hätten an dir ihre wahre Freude.
Angefangen hast du schon sehr früh, wahrscheinlich noch vor deinen ersten Wichserfahrungen. Wieder einmal war dein Bruder am Anfang mit dabei. Eines Tages hatte er eine Schachtel Marlboro. Rote natürlich. Light gab es damals wohl noch nicht. Ihr fandet die rauchenden Schauspieler in den Fernsehserien so cool, dass ihr es auch ausprobieren wolltet. Und ihr wart so jung und so derart unerfahren, dass ihr nicht einmal wusstet, wie man raucht. Glut, das wusstet ihr, glüht auf, wenn man hinein bläst. Also habt ihr in die Zigaretten auch hineingeblasen. Kein Wunder also, dass es ganz schön schwierig war, so ein Ding anzukriegen. Immerhin hast du nicht husten müssen, weil du ja gar nicht wirklich mit dem Rauch in Kontakt gekommen bist. Leider gelang es dir daher auch nicht, den Rauch so cool auszuatmen, wie du es gerne gemacht hättest. Und auch wenn es nicht geklappt hat, es war irgendwie sehr erregend.
Ein paar Jahre später solltest du erneut mit deinem Bruder eine Zigarette teilen. Du erinnerst dich nur noch, dass ihr an einer Bushaltestelle standet und eine ältere Frau eine Bemerkung der Art “so jung und schon rauchen” fallen ließ.
Ansonsten warst du der Antiraucher in Person. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit – und auch wenn es eigentlich keine Gelegenheit gab – spieltest du den Gesundheitsapostel und wurdest nicht müde zu beteuern, wie schlimm doch das Rauchen sei. Schon damals, als du noch in die Grundschule gingst, musst du aber auch die Erotik des Rauchens gespürt haben. Denn wie sonst könntest du dich heute noch daran erinnern, dass eine Mitschülerin, die dir sonst nicht im Gedächtnis geblieben war, gesagt hatte, sie werde später, wenn sie erwachsen sei, wohl einmal rauchen. War es wirklich ein Hauch Erotik, den du da verspürt hast? Oder war es diese verblüffende Freiheit, die sich dieses Mädchen nahm, einen Wunsch ganz offen auszusprechen, den du dich nicht einmal mehr deinem Bruder gegenüber zu verlautbaren trautest? Jedenfalls hingst du oft an “der Sache” und dachtest dabei an dieses Mädchen und ihre kühnen Zukunfstpläne.
Dieser bürgerliche Gesundheitsfimmel, an dem du damals so stark littst, hat dich immerhin davor bewahrt, wirklich zu einem Raucher zu werden. Denn so sehr du dich von Zigaretten angezogen fühltest, wenn du alleine warst, so sehr verabscheutest du sie, sobald du nicht alleine warst. Und es war nicht einmal gespielte Abscheu. Zigarettenrauch in geschlossenen Räumen kannst du bis heute nur ausstehen, wenn du erregt bist. Andernfalls macht er dich im wahrsten Sinne des Wortes krank: Husten, Schnupfen, Erkältung… Wie auch immer, öffentlich (das heißt in Gegenwart irgendeiner Person, die du kennst) hast du bis heute nicht geraucht. All deine Zigaretten hast du entweder in Einsamkeit oder in anonymer Umgebung geraucht.
Heute rauchst du gar nicht mehr. Zumindest keinen Tabak. Denn du hast endlich verstanden, dass es dir gar nichts bringt, selbst zu rauchen. Das, was so unheimlich sexy ist am Rauchen, ist, andere rauchen zu sehen. In erster Linie Frauen. Smoking Fetish nennt sich das. Dank Internet hast du auch festgestellt, dass du damit nicht alleine bist. Was freilich noch nicht erklärt, warum du es eigentlich so attraktiv findest eine Frau rauchen zu sehen. Aber wahrscheinlich gibt es da auch keine vernünftige Erklärung. Es ist einfach so. Und das Internet ist voll davon. Zum Beispiel www.smokingarchive.com . Dort gibt es alles, was das Herz erfreut: Fotos von künstlerisch-erotisch
über extrem sexy
bis hin zu vulgäreren
und natürlich auch jeder Menge pornografischen Bildern.
