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6 05 2009

Damals hattest du deinen ersten Orgasmus schon längst hinter dir. Den erlebtest du nämlich in der ersten oder zweiten Klasse im Turnunterricht. Du kannst dich nicht mehr daran erinnern, ob es an den Kletterstangen oder am Kletterseil war. Auch sonst sind die Umstände alle in Vergessenheit geraten. Du kannst dich nur noch an dieses mehr als angenehme Gefühl erinnern, das eigentlich eine Art von Angst vor dem Absturz war und sich plötzlich im Unterleib ausbreitete. Zum ersten Mal in deinem Leben. Selbstverständlich – und das braucht ja eigentlich gar nicht erwähnt zu werden – wusstest du nicht, dass dieses großartige Gefühl Orgasmus hieß. Aber du spürtest – wohl instinktiv -, dass das etwas war, worüber man besser mit niemandem sprach. Schade eigentlich. So jung und schon so verklemmt! Mit deinem Bruder hast du dann doch darüber gesprochen. Und er hatte wohl ähnliche Erfahrungen gemacht. Denn kurz darauf hattet ihr das obere Ende des Gitters, um das die Treppe im elterlichen Reihenhaus lief, umgetauft: es hieß nun “die Sache” und nur zu gerne hängtest du dich dorthin, und riebst deinen Schwanz an der Stange bis dich dieses Gefühl überflutete. Du hast den Eindruck, du hingst dort viel öfter als dein Bruder. Jedenfalls hat er dich mehrere Male dabei erwischt – und du ihn nie (zumindest kannst du dich nicht daran erinnern, ihn jemals ertappt zu haben). Freilich wusstet ihr beide nicht, dass das mit Sex zu tun hatte und ein Orgasmus war. Ja, ihr kanntet nicht einmal die Worte “Sex” und “Orgasmus”.

Auf alle Fälle war die Methode komisch. Angeblich sterben Männer, die gehängt werden, oder Kletterer, die einen Unfalltod erleiden, mit einer Erektion. So etwas Ähnliches muss das an der “Sache” auch gewesen sein, denn gerade angenehm war es eigentlich nicht. Das schöne Gefühl trat anfangs erst dann ein, als du schon beinahe keine Kraft mehr hattest. Es war eine irre Mischung aus Erschöpfung, Angst und Glück. Wäre das so weiter gegangen, hättest du wohl mehr Muskeln bekommen.

Aber schon ziemlich bald war es dir vor deinem Bruder peinlich. Warum eigentlich? Außerdem stelltest du fest, das es keine senkrechte Stange sein musste, an der du mit der Angst hingst, abzustürzen. Nein, es ging auch ohne Angst, etwa wenn du im Stütz auf die Lehne deines Stuhles sprangst, den Körper so auf der Lehne ausbalanciertest, dass dieser stehen blieb und dabei deine Schwanzspitze genau gegen die harte Linie drücktest. Nach kurzer Zeit war die “Sache” nicht mehr erforderlich – und den Trick von der Lehne erzähltest du auch deinem Bruder nicht mehr. Du warst nun mit deinem Sex allein.

Und wurdest ganz verrückt danach. Bei deinen stundenlangen Hausaufgabensitzungen verbrachtest du bald mehr Zeit mit der Stuhllehne als mit den eigentlichen Hausaufgaben. Hattest du einen Orgasmus gehabt, balanciertest du manchmal schon fünf Minuten später wieder auf der Lehne. Ob du dabei eine Erektion hattest, daran kannst du dich gar nicht mehr erinnern. Abgespritzt hast du noch nicht, als du zum Gipfel kamst. Das weißt du sicher. Erstaunlicherweise kannst du dich aber nicht mehr daran erinnern, wann zum ersten Mal da vorne aus dem Schwanz etwas rausfloss. Eigentlich müsste das doch ein prägendes Ereignes gewesen sein. War es wohl nicht … Auch wann du die letztlich doch sehr unbequeme Technik mit der Lehne aufgabst, lässt sich in deinen Erinnerungen nicht mehr ergründen. Nur soviel ist sicher – spätestens zu diesem Zeitpunkt wusstest du schon, was du da eigentlich machtest.


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